Glutenfrei im Alltag

Wir wissen ja noch nicht lange von unserer familiären Zöliakie („Zöliakie – der Beginn unseres Weges“, „Und noch eine Zöliakie-Betroffene in der Familie identifiziert“bei mir steht es noch aus, aber eine Weizensensitiviät ist es mindestens). Was wir aber sagen können ist, dass sich unser Alltag ganz schön verändert hat. Da ich immer mal wieder gefragt werde, was das denn genau bedeutet und wie unser Alltag abläuft, habe ich mir überlegt, euch einmal einen Beitrag darüber zu schreiben.

Vorab: Es gibt keine bekannte Therapie einer Zöliakie. Eine strikte, lebenslange glutenfreie Ernährung ist zum Gesund werden und bleiben unabdingbar!

1. Wir lesen viel Produktetiketten
Mittlerweile kennen wir unsere Standardprodukte alle. Wir wissen, ob sie glutenfrei sind oder nicht. Aber bei jedem neuen Produkt müssen wir immer die Zutatenliste lesen. Was uns einiges erleichtert, ist die 2005 in Kraft getretene Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung. Die wichtigsten Allergene müssen auf jedem Produkt angegeben werden, wenn sie enthalten sind. Die verbotenen Lebensmittel für Zölis sind: Weizen, Gerste, Roggen, Tritordeum (Hartweizen & Gerste), handelsüblicher Hafer (wobei es da kontroverse Ansichten gibt), Durum, Grünkern, Dinkel, Einkorn, Urkorn, Rotkorn, Emmer, Kamut, Tritacle und sonstige Weizendeviate.
Am Anfang waren wir ganz überrascht davon, was für Lebensmittel und vor allem wie viele Lebensmittel glutenhaltige Zutaten enthalten.

Übrigens, bereits 1/8 von einem Gramm kann eine Entzündung im Dünndarm sowie Beschwerden hervorrufen! Daher müssen wir ganz strikt darauf achten, dass kein Gluten in den Körper kommt.
Weitere Infos findet ihr auch auf den Seiten der DZG – Deutsche Zöliakie Gesellschaft.

2. Rundumschlag in der Küche
Sauberkeit spielt in der Küche eine noch größere Rolle als zuvor bei uns.
Vor jeder Nutzung wird die Arbeitsfläche gereinigt. Geschirr, Kochtöpfe & Pfannen,  Backformen und sonstige Kochutensilien haben wir extra angeschafft, die ausschließlich für glutenfreie Speisen genutzt werden. Natürlich haben wir auch einen extra Toaster und ein neues Handrührgerät angeschafft. Es gibt auch Toasterbags, aber die nutzen wir nicht. Und im Handrührgerät lagert sich gerne mal Mehlstaub ab.
Auch die Schneidebretter und Kochlöffel wurden ausgetauscht. Insbesondere in Holzbrettechen und -löffel setzen sich Mehlreste ab.
Und natürlich muss auch bei den Hand- und Spültüchern darauf geachtet werden, dass sie nicht kontaminieren.

Unser Haushalt stellt sich komplett auf glutenfrei um, da drei von vier Personen kein Gluten vertragen – bis zu meiner Magenspiegelung müssen wir aber mit der Komplettumstellung noch warten. Wenn euch das aber nicht möglich ist, empfiehlt es sich, die Küchenutensilien für glutenfreie Zubereitung farblich zu kennzeichnen.

3. Zubereitung der Mahlzeiten / Lagerung der Lebensmittel
Wir haben unsere Hauptmahlzeiten ab dem Zeitpunkt, an dem wir von der Zöliakie wussten, direkt auf glutenfrei umgestellt. Wenn wir aber morgens frühstücken und mein Mann glutenhaltige Lebensmittel isst, achten wir auf strikte Trennung.
Wir haben im Kühlschrank beispielsweise zwei Butter, zwei Marmeladen etc.. Wenn mein Mann sich ein glutenhaltiges Brot schmiert und mit seinem Messer z. B. in die Butter geht, kontaminiert er sie. Also muss da, wie bei allen anderen Lebensmitteln, eine Trennung her.
Bereiten wir glutenhaltige und glutenfreie Speisen vor, wird immer zuerst die glutenfreie Speise zu- bzw. vorbereitet. Glutenhaltiges hat Nachrang.

Als gut und empfehlenswert hat sich auch eine extra Box für den Kühlschrank erwiesen, in der die glutenfreien Lebensmittel aufbewahrt werden. So können wir die zum Frühstück oder Abendessen einfach auf den Tisch stellen und schließen. So ist da das Kontaminationsrisiko auch gesenkt.

4. Lebensmittel kaufen
Wie gut, dass Obst, Eier und Gemüse von Natur aus glutenfrei sind. Besondere Lebensmittel wie Brot, Kuchen, Mehle oder Nudeln können wir mittlerweile im Supermarkt vor Ort kaufen. Sogar glutenfreie vegetarische Pizza haben wir gefunden, falls wir mal keine Lust zum Backen haben. Ansonsten haben wir auch ein tolles Mehl für Pizza gefunden, so dass wir auch diese selber machen.
Das wir die Lebensmittel so leicht bekommen, ist super! Blöd ist, dass sie auf Grund der Herstellung sehr, sehr teuer sind.
Wir versuchen auch immer mehr Brote, Kuchen und Gebäck selbst zu backen und experimentieren viel herum. Die gelungenen Rezepte veröffentliche ich hier auf dem Blog. 🙂 Aber ganz ehrlich: So leicht ist das nicht, da muss man viel ausprobieren.

5. glutenfreie Getreidesorten
Auch wenn es oben nicht so klang, es gibt noch Getreidesorten, die wir essen können: Mais, Reis, Hirse, Quinoa, Amaranth und Tapioka.
Selbst zum Panieren gibt es glutenfreie Panade!

6. Alkohol
Für die Kinder ist das jetzt noch nicht so relevant. Obwohl, für unsere Teenietochter schon wohl, zumindest in absehbarer Zeit. Bier dürfen wir nicht trinken. Gerstenmalz enthält Gluten. Aber es gibt mittlerweile auch glutenfreies Bier für alle, die nicht darauf verzichten möchten: Beispiele sind Celia, Daura und Pionier. Auch Wein, Korn, Sherry, Port- und Apfelwein dürfen getrunken werden, Whiskey hingegen nicht.

7. Umstellung
Unserer Jüngsten hat die Umstellung keinerlei Probleme gemacht. Unsere Teenietochter und auch ich haben teilweise unsere Probleme damit. Beispiel Brot: Das Brot schmeckt oft labberig und klebrig, das mögen wir nicht. Aber da arbeiten wir dran und probieren viel aus. Irgendwann finden wir eines, dass uns gut schmeckt, davon bin ich überzeugt.

8. Kindergarten & Schule
Zunächst sprachen wir direkt mit den Erzieherinnen in der Kita und der Klassenlehrerin in der Schule.
Im Kindergarten konnte die Küche eine glutenfreie Ernährung nicht leisten, weshalb wir einige Monate selbst gekocht und unserer Jüngsten das Mittagessen selber mitgegeben haben.
Die Schule wird von einem größeren Caterer beliefert, der auch Krankenhäuser versorgt. Daher ist eine glutenfreie Ernährung gar kein Problem. Zudem ernähren wir uns ja seit Jahren alle vegetarisch. Auch das war unproblematisch für die Küche.

Beide Kinder haben immer ein Notfallessen in der Schule und eine kleine Kiste mit Süßigkeiten. Das ist wichtig, da Kinder auch Geburtstage feiern und da eine glutenfreie Ernährung nicht gewährleistet werden kann.

Ich muss sagen, dass ich richtig stolz auf meine beiden Mäuse bin, wie toll und selbstverständlich sie das alles machen. Ganz, ganz toll!

9. Verabredungen, Familienfeste und Freunde
Bei der Teenietochter ist das jetzt nicht mehr notwenig, aber bei der Jüngsten: Immer wenn sie sich verabredet, sprechen wir mit den Eltern, klären sie auf und geben ihr selber Essen mit.

Auch wenn wir irgendwo eingeladen sind, bringen wir meist selbst unser Essen mit. Eine Kontamination kann leider nirgends ausgeschlossen werden.

9. Ausflüge, Urlaube und Restaurants
Wir hatten just gerade unseren ersten glutenfreien und vegetarischen Urlaub. Puh, das war schon eine kleine Herausforderung. Ohne Vorbereitung und Planung geht da nichts! Bevor wir irgendwo in den Urlaub fahren, recherchieren wir vorher und informieren uns.
Auch haben wir auf Ausflügen und Tagestouren immer Essen dabei, da wir unterwegs ja nichts kaufen können und mal schnell in Restaurants essen nicht möglich ist.

Am Anfang ist es verwirrend und man muss an sehr viel denken. Aber mit der Zeit ist man geübter und es klappt immer besser. Dennoch besteht unser Alltag immer aus planen – sei es für Ausflüge, für Schulveranstaltungen, Familienveranstaltungen oder was auch immer. Auch wenn es etwas komplizierter ist, es ist möglich und das sogar gut.

Ich hoffe, euch helfen unsere Erfahrung ein bisschen weiter. Wenn ihr Fragen habt, meldet euch gerne!

Ganz lieben Gruß,
Jani.

Ein Gedanke zu “Glutenfrei im Alltag

  1. Hallo Jani!

    Bei uns liegt die Diagnose nun schon über 10 Jahre zurück. Für Kinder kann die Situation auch mal ganz schön frustrierend sein. Dann brauchen sie starken Rückalt in der Familie. Ansonsten sind wir ganz gut damit gefahren, die Zöliakie nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Die Kinder müssen (leider) lernen, sich zwar streng an die Diät zu halten, sich von der Zöliakie aber nicht einschränken zu lassen. Reisen, Veranstaltungen, Feiern… alles ist drin, wenn man sich entsprechen vorbereitet.

    Meine Tochter war auch Teeny, als wir die Diagnose bekamen. Wir haben dann gemeinsam (neu) kochen und backen gelernt. Das verbindet und hat sich ausgezahlt. Als sie mit 18 Jahren auszog, war sie für ein eigenständiges, sparsames Leben gerüstet.

    Auch mit Zöli müssen die Lebensmittelkosten nicht in die Höhe schnellen. An Spezialprodukten kaufe ich eigentlich nur Nudeln. Gekaufte Pizza oder Kekse sind eine Ausnahme.
    Vielleicht schaust du mal auf meinem Blog vorbei. Die Rezepte, die ich veröffentliche sind alle gf.

    Liebe Grüße, Sibylle von https://miteigenenhaenden.wordpress.com/

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