Wie macht ihr das bloß? Vereinbarkeit von Familie, Studium und Job

Nach meinem Artikel Liebe Regierung, komm‘ in die Puschen und tu‘ was für die Familien mit zwei Verdienern! bekam ich ganz viele tolle Rückmeldungen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass dieser so viel gelesen wird. Vielen Dank dafür! Es kam dabei aber auch oft die Frage, wie wir das mit unseren Kindern, unserem Studium und unseren Jobs hinbekommen. Manche würden diesen Schritt auch gerne wagen, aber sie trauen sich nicht. Deshalb habe ich mich entschlossen, dir ein wenig darüber zu schreiben, denn vielleicht helfen dir unsere Erfahrungen dabei, endlich diesen Schritt zu wagen?!

Ganz kurz, die Rahmenbedingungen
Während mein Mann Vollzeit im Schichtdienst arbeitet, arbeite ich Teilzeit mit 20 Stunden in der Woche. Wir studieren beide berufsbegleitend. Er macht seinen Bachelor, ich meinen Master. In unserem Haushalt leben zwei wunderbare Kinder. Unsere Quatschtröte kommt nächste Woche in die Schule (vorher ging sie bis spätestens 15 Uhr in die Kita), unsere Älteste geht in die 10. Klasse. Sie gehen beide auf die gleiche Schule. Es ist eine Ganztagsschule von der 1. Klasse bis zur 13. Klasse, idyllisch im Grünen ❤ .

Im Vorfeld überlegten wir uns genau, welche Studiengänge in Frage kommen. Dabei schauten wir natürlich zuerst nach unseren Interessen und Stärken. Bei ihm war das relativ schnell auszumachen. Zudem war klar, dass er berufsbegleitend sein muss, da er seinen Vollzeitjob nicht an den Nagel hängen kann. Da war schnell was gefunden. Er geht seit gut einem Jahr fast jeden Samstag in die FH.
Bei mir war es etwas schwieriger. Natürlich wusste ich, dass mein Studiengang ein Master in Sozialer Arbeit wird, aber welcher? Da gibt es zig verschiedene. Also kamen weitere Auswahlkriterien hinzu:

Kosten
Es gibt Studiengänge, die müssen selbst finanziert werden und die sind manchmal wirklich sehr, sehr teuer. Die fielen für uns komplett aus, das sitzt finanziell nicht drin.

Vollzeit/berufsbegleitend
Vollzeitstudiengänge kamen für mich nicht in Frage (auch wenn sie mich brennend interessierten!), da ich nicht in Teilzeit arbeiten, für die Kinderbetreuung zuständig sein und dann noch in Vollzeit studieren kann. Ich musste da auch klar auf meine Grenzen achten. Also sollte er berufsbegleitend sein. Dabei war aber auch darauf zu achten, dass ich nicht jede Woche in der FH sitzen muss, da mein Mann im Schichtdienst tätig ist und ich alle zwei Wochen Probleme mit der Kinderbetreuung bekommen hätte. Auch fielen Studiengänge raus, die oft am Wochenende stattfinden, da mein Mann dann in der FH sitzt und ich für die Kinder da bin.

Ort
Es gibt so viele tolle Studiengänge! Aber viele davon sind weit weg, weshalb sie nicht in Frage kommen. Ich kann nicht mal eben jeden Monat oder auch alle zwei, drei Monate für ein paar Tage weg sein. Denn wenn der Studiengang weiter weg ist, fällt oft ja auch noch eine Übernachtung an. Und das war auch ein Ausschlussgrund.

Das sind ganz schön hohe Ansprüche, oder? Aber sie sind die Realität. Lieber hätte ich einen Master in einem Schwerpunkt gemacht, der mich brennend interessiert und dem ich mit vollem Herzen nachgehen würde. Ein Master, für den ich brenne, genauso wie im Studium. Aber im Prinzip blieb nur ein Master, der die ganzen Bedingungen erfüllt. Es ist zwar nicht mein allerliebster Lieblingsschwerpunkt, aber er ist in Ordnung und – das ist das Wichtigste – mit Familie vereinbar. Hier befinde ich mich jetzt im dritten von fünf Semestern. Ein Jahr lang noch Seminare, dann folgt schon die Masterarbeit. Mein Mann hat ein Jahr rum, er ist jetzt auch im dritten Semester, bei ihm dauert der ganze Spaß allerdings noch dreieinhalb Jahre, wenn alles gut läuft.

Planung ist das A und O
Erstaunlicherweise empfinden wir die Belastung nicht als anstrengend. Wir müssen halt gut planen und uns gegenseitig unterstützen.

In meinem Master kann ich viel von zu Hause aus machen. Wir haben Onlinevorlesungen, die meist in den Abendstunden liegen. Alle paar Wochen finden zwei aufeinanderfolgende Präsenztage statt, die wir gut planen können. Mein Mann weiß, dass er an diesen Tagen nachmittags für die Kinder da sein muss. Wobei sich das jetzt, durch die Schule, ändert. Da ist die Betreuung sichergestellt.

Ich weiß, dass die Samstage mir und den Kindern gehören und mein Mann Zeit für die FH benötigt. Seine freien Samstage genießen wir dafür umso mehr! Ich freue mich da immer schon total drauf.
Von den FH´s bekommen wir die Präsenzzeiten und Prüfungszeiträume lange Zeit im Voraus genannt, was sehr wichtig für uns ist.
Dadurch, dass die Studiengänge berufsbegleitend sind und in der Zeit einfach länger dauern, ist der Arbeitsaufwand unter der Woche relativ gering. Dieser verteilt sich eben auf mehrere Semester. In Prüfungsphasen sieht das natürlich anders aus, aber auch das wissen wir im Vorfeld und können dementsprechend planen.
Wenn wir gerade beide in der Prüfungsphase stecken kommt es auch schon mal vor, dass wir beide abends unten auf dem Sofa sitzen und lernen bzw. an Hausarbeiten schreiben. Aber auch das hat was, finde ich. Wir kommen dann in interessante Gespräche, diskutieren und erweitern gegenseitig unseren Horizont. Er lernt etwas von mir und ich von ihm. Das mag ich sehr.

In Sachen Studium ist dieser ansonsten von uns gehasste Schichtdienst vorteilhaft. Wenn er Spätschicht hat, hat der die Vormittage, um etwas für die FH zu tun. Hier hat er viel Ruhe, da alle aus dem Haus sind. Vielleich bin ich mal im Home Office da, aber da störe ich ihn ja nicht. In Frühschichtwochen macht er nachmittags nur selten was (es sei denn, eine Prüfung steht an) und verbringt die Zeit mit der Familie.
Ich lege ebenfalls fast alles in die Zeit, in der die Kinder außer Haus sind. Sobald sie wiederkommen, mache ich nichts mehr für die FH.

Nicht erst auf dem letzten Drücker anfangen
Was vielleicht auch noch wichtig ist, ist das Zeitmanagement. Sobald wir wissen, wann eine Hausarbeit abgegeben werden muss oder eine Prüfung ansteht, fangen wir an, dafür was zu tun. Es ist uns einfach schlichtweg nicht möglich, erst kurz vorher anzufangen. Abgesehen davon, dass ich dafür auch nicht der Typ bin, in Stress geraten und verrückt werden würde 😉 . Übrigens plane ich gerade schon meine Masterarbeit, die ich im nächsten Sommer schreiben werde. Ich habe schon einen Professor gefunden, der mich betreut. Jetzt geht es in die konkrete Themensuche. Und du siehst, ich nehme mir damit ganz viel Druck von den Schultern.
Somit verteilen wir unseren Arbeitsaufwand auf mehrere Wochen. Mein Mann z. B. hat in den nächsten vier Wochen zwei schwere Prüfungen. Er macht jeden Tag zwei bis drei Stunden etwas dafür und fährt damit gut. So gerät auch er nicht in Stress und alles bleibt hier relativ entspannt.

Der Haushalt
Das ist eine Sache, die ich ganz stark lernen musste. Mein Mann und ich teilen uns den Haushalt. Und in Sachen Sauberkeit gehen unsere Meinungen manchmal etwas auseinander. Wenn er putzt, ist es sauber! Aber vielleicht manchmal nicht so, wie ich es gerne hätte. Und da musste ich von meinem Anspruch runtergehen. Sauber ist sauber. Es muss nicht blitzblank sein. Seitdem ich da etwas entspannter bin, läuft es auch leichter. Außerdem bin ich einfach dankbar, dass mein Mann auch Klos putzt und Staub wischt. Nur den Boden wischt er nicht, aber das ist vielleicht auch wirklich gut so 😉 .

Wir haben eine Liste mit Dingen, die regelmäßig gemacht werden müssen. Und am Wochenende nehmen wir uns zwei Stunden, in denen alle Familienmitglieder mit anpacken. Die Kinder machen ihre Zimmer, wir den Rest des Hauses. Dann geht das Aufräumen und Putzen auch schnell. Meistens. 😉

Familienzeit
Das habe ich ja jetzt mehrfach schon angesprochen, aber hier noch einmal komprimiert: Die Nachmittage halten wir uns für die Familie frei. Wenn mein Mann Frühschicht hat, sind wir nachmittags meist alle zusammen – außer die Kinder verabreden sich. Aber dann haben mein Mann und ich gemeinsame Zeit. Wir nutzen diese Zeit auch um runterzukommen und uns zu erholen. In seiner Spätschichtwoche bin ich nachmittags alleine mit den Kindern.

An vielen Samstagen im Jahr ist er in der FH. Die Zeit habe ich dann mit den Kindern und die genießen wir auch. Sobald er zu Hause ist, haben wir Familienzeit. Die Samstage, an denen er zu Hause ist, verbringen wir ebenfalls gemeinsam und genießen sie sehr. Der Sonntag ist uns als Familie heilig. Da wird nur in Ausnahmefällen etwas für die FH gemacht. Bislang kam das bei mir ein oder zwei Mal für zwei Stunden für eine Onlinelerngruppe vor.

Wir haben also trotz dieser vielfältigen Herausforderungen genügend Zeit für die Familie und Zeit zur Erholung. Im Prinzip haben wir eine inoffizielle Priorisierung: Erst kommt die Familie/Kinder. Drumherum wird der Job gelegt (zumindest meinerseits), damit die Kinderbetreuung sichergestellt ist. Und um diese beiden Punkte wird das Studium gelegt. Und das funktioniert gut. Es sei denn, die Kinder werden krank. Dann hampeln wir rum und müssen schauen, wie wir das gewuppt bekommen. Aber bislang waren die Kinder recht wenig krank (toi toi toi!) oder zur rechten Zeit. Mal sehen wie das jetzt zu Schulbeginn wird. Da gibt es jede Menge neue Bakterien und Viren, die der kleine Körper erst einmal kennenlernen muss 🙈😉.

Alles rosarot?
Irgendwie klingt das alles so rosarot, wenn ich mir meinen Text zu durchlese. Ich fragte daraufhin meinen Mann, wie er das empfindet. Er sagt:

Nein, das ist nicht rosarot. Es ist wie es ist. Dein Text gibt das wieder, wie es bei uns ist. Vielleicht liegt es daran, dass wir es gewohnt sind, immer tausend Dinge gleichzeitig zu tun. Für uns ist das nicht neu und wir leben schon immer so. Wir kommen damit einfach gut klar. Anderen geht es da genauso, anderen komplett anders. Da ist meine Kommilitonin, die mit einem Hund und Job das Studium geschmissen hat, weil es ihr zu viel war. Jeder hat da eine andere Belastungsgrenze und wir gehören eben zu denen, die es nicht anders kennen – und vielleicht auch brauchen?!

Damit könnte er recht haben. Nach meinem Bachelorstudium habe ich zunächst gesagt, dass ich erst einmal gar nichts mache. Aber dann juckte es nach wenigen Monaten schon wieder und ich schrieb mich für einen Master ein (und insgeheim sinniere ich schon darüber, was ich denn mache, wenn ich den Master beendet habe). Außerdem ist es uns gar nicht möglich, unsere Jobs aufzugeben und uns nur auf das Studium zu konzentrieren. Es geht finanziell gar nicht anders. Wir müssen, um voran zu kommen, diesen Spagat betreiben.

Gleichberechtigung – fordert es ein!
Klar wird mir gerade auch, wie eng mein Mann und ich zusammenarbeiten. Wäre das nicht so, hätte ich auch mein Bachelorstudium in Vollzeit mit Nebenjob am Wochenende damals nicht durchziehen können. Wir halten uns gegenseitig den Rücken frei, stärken uns in schwachen Momenten und führend eine absolut gleichberechtigte Ehe und einen gleichberechtigten Haushalt mit gleichen Rechten und Pflichten. Das ist wahrscheinlich der springende Punkt, warum es so gut funktioniert.

Ich hoffe, dass euch mein Text etwas weiterhilft. Fordere von deinem*deiner Partner*in Unterstützung ein, insofern du sie noch nicht bekommst. Dafür ist eine Ehe/Partnerschaft da. Wenn ihr Fragen habt, meldet euch gerne!

Lieben Gruß,
Jani & Freddy ❤

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