Mental Load: Wer oder was bin ich eigentlich?

Heute morgen stoß heute auf diesen Artikel von Stadt Land Mama: Mental Load: Wenn die gesamte Familien-Organisation an einer Person hängt. Beim Lesen musste ich immer wieder schmunzeln und fragte mich dabei, wie es eigentlich bei uns ist. Ich las dazu verschiedene Artikel, kam ins Grübeln und entschied mich, an der Blogparade von Glücklich scheitern teilzunehmen. Hier sind also meine fünf Cent dazu.

Wenn ich an mein junges Ich *hust* zurück denke, war ich wirklich teilweise gestresst, obwohl ich gar nicht mal so viel gemacht habe, wie jetzt. Woran liegt das? Ich glaube, ich habe immer mehr zu mir gefunden. Erfahren wer ich bin, was ich wirklich will, was mir wichtig ist und mich dazu entschieden, mein Leben so zu leben, wie ich es möchte und wie es für meine Familie in Ordnung ist. Vielleicht liegt es auch an den jetzigen Umständen: Ich habe einen tollen unterstützenden Mann und einen Job, der mir ganz viel Freude bereitet. Dadurch bin ich allgemein auch viel entspannter geworden. Ich bin einfach zufrieden.

Mareice Kaiser schreibt auf Ze.tt:

Versorgerin, Businesswoman, MILF – Mütter sollen heute alles sein. Dass darunter ihr Wohlbefinden leidet, ist kein Wunder. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt: In den sieben Jahren nach der Geburt eines Kindes verschlechtert sich das mentale Wohlbefinden von einem Drittel aller Mütter deutlich. Es handelt sich um eine „substanzielle Verschlechterung“. Das Unwohlsein der befragten Mütter äußert sich in drei Dimensionen: mentaler Stress, stressbedingter und sozialer Rückzug, depressive Verstimmungen und Angstgefühle.

Dazu weiter:

„Das Individuum, das sich den Normen und den Erwartungen entziehen kann, ist eine Illusion“, sagt der Soziologe Marco Giesselmann vom DIW. Die Ablehnung auf Perfektion abzielender Mutterschaftsideale schützt nicht vor Schuldgefühl und mentalen Beeinträchtigungen als Folge sozialer Erwartungshaltungen. Eine Mutter, die sich komplett den gesellschaftlichen Erwartungen entziehen kann, gibt es nicht.

Na klar, das stimmt schon. Ganz kann ich mich dem gesellschaftlichen Druck nicht entziehen, denn wir leben nun mal in einer Gesellschaft. Aber ich kann das alles für mich/uns so gestalten, dass wir damit keinen mentalen Overload bekommen.

Ja, ich bin die Planerin, Strukturgeberin, der Erinnerungsgong und die Organisatorin – kurz genannt CEO. Da kommt jeden Tag ganz schön viel zusammen. Zwar teilen mein Mann und ich uns den Haushalt so gut es geht, aber gedanklich bin ich doch die Verantwortliche. Manchmal nervt es mich schon, zugegeben. Dann gebe ich Aufgaben ab, werde aber dennoch immer wieder gefragt. Aber darüber rege ich mich gar nicht mehr auf (okay, meistens), denn ich habe hier das Ruder in der Hand und das ist ok so. Ich sehe es pragmatisch: Es muss Eine*n geben, der den Überblick behält und das bin halt ich. Wenn ich mich darüber aufregen würde, vergeude ich Kraft und Energie und das ist es mir nicht wert. Ich glaube, ich bin im Inneren eh so eine strategische Planerin und Organisatorin, die gerne die Zügel in der Hand hat. Vielleicht kann ich es deshalb besser annehmen. Aber wie gesagt, dass heißt nicht, dass es nicht auch Tage gibt, an denen ich all meine Verantwortlichkeiten über Bord werfen und gedanklich frei sein möchte.

Seit der Geburt unserer Quatschtröte bin ich ziemlich entspannt. Ich habe gelernt, den Tag so zu planen, dass er auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt ist. Unsere Quatschtröte ist ein Kind, dass Stress absolut nicht haben kann, langsam isst, gerne trödelt und genießt. Daher plane ich die Zeit morgens vor der Schule so ein, dass sie in Ruhe essen kann, Zeit zum Spielen hat und wir pünktlich los können. Unser Start in den Tag sieht dann so aus:

Ich stehe um 6.15 Uhr auf, kann in Ruhe meinen Kakao trinken, duschen und mich alltagstauglich machen. Wenn ich das nicht bekomme, bin ich mit der Kneifzange nicht anzufassen. Hier lässt meine Familie mich auch in Ruhe.
6.45 Uhr: Die Quatschtröte wird wach, manchmal spielt sie in ihrem Zimmer, bis ich fertig bin.
7.00 Uhr: Die Teenietochter wecken. Sie geht ins Bad und macht sich fertig.
Die Quatschtröte und ich gehen währenddessen in die Küche. Während ich die Brotdosen fertig mache, isst sie in Ruhe.
7.20/7.25 Uhr: Die Quatschtröte geht nach oben und zieht sich an und spielt.
7.30 Uhr: Die Teenietochter kommt aus dem Bad und frühstückt.
7.40 Uhr: Zähneputzen mit der Quatschtröte, Haare kämmen.
7.53 Uhr: Wir gehen gemeinsam aus dem Haus zum Bus.

Wenn ich es enger takten würde, würde ich sie stressen, sie würde heulen und mich damit zur Verzweiflung bringen. Und durch „Beeil dich! Nun mach schon!“ wird sie auch nicht schneller. Im Gegenteil. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, es würde dadurch perfekt laufen. Nein, das läuft es nicht. Ich muss immer noch mal erinnern usw., aber es ist einfach stressärmer, weil ich auch für sowas dann Puffer habe. 😉
Unsere Teenietochter liebt es, auf den letzten Drücker loszugehen. Ich hasse es! Das hat mich des Öfteren zur Weißglut gebracht. Ich habe sie gestresst, erinnert und ermahnt. Das gab nur Streit: „Mama! Chill mal!“ Ja, sie hat recht, sie wird wissen wann sie los muss und im Notfall muss sie mit den Konsequenzen leben. Mit dem Rad zur Schule anstatt mit dem Bus hat auch noch niemandem geschadet. 😉 Mensch, das schreibt sich jetzt gerade so leicht. In der Realität ist das für mich ganz schön anstrengend, cool zu bleiben. 🙂
Eigentlich wollten die Teenietochter und die Quatschtröte morgens gemeinsam zum Bus laufen. Aber das funktioniert nicht so ganz: Wie gesagt, die Teenietochter geht auf den letzten Drücker und läuft recht schnell. Die Quatschtröte geht zeitnah los, läuft langsam und schaut sich dabei die Welt an. Gehen die beiden zusammen, oh je, das gibt Tränen. Daher laufe ich morgens mit der Quatschtröte. Und wenn die Teenietochter nicht um 7.53 Uhr fertig ist, kommt sie schnellen Schrittes nach und erreicht den Bus gerade noch. So sind wir alle etwas gechillter.

Wenn ich oft nicht erinnere, wird so manches hier vergessen. Letztens hat unsere Teenietochter ihre Geige zu Hause vergessen. Sie bekommt während des Schulunterrichtes Geigenunterricht durch eine Musikschule. Ich musste sie ihr bringen, da die Schule hier auch nicht im Ort liegt. Das hat mich ganz schön genervt und in Stress gebracht, da ich auch noch Arbeitstermine hatte.

Grundsätzlich plane ich genügend Puffer ein, damit ich nicht in Stress gerate. Auch bei der Arbeit. Ich habe endlich meinen Traumjob gefunden, in dem ich auch flexibel bin. Zwar muss ich da auch immer planen und organisieren, aber es macht mir Spaß. Ich genieße diese Flexibilität und das Home Office sehr.
Ich versuche mich morgens vor der Arbeit, wenn die Kinder aus dem Haus sind, 10 Minuten zu setzen und einen Tee zu trinken. Diese Ruhe genieße ich sehr. Und dann kann ich gut in den Arbeitstag starten. Wenn dann mal die Geige vergessen wird, ist mein Puffer schnell aufgebraucht und das mag ich gar nicht. 😉

Ich arbeite in einem Job, in dem ich sehr, sehr viel mit Menschen rede, mich mit ihren Problemen befasse und Lösungen erarbeite. Mental ist das manchmal schon anstrengend, vor allem, wenn nachmittags die Familie nach Hause kommt, munter auf mich einredet und natürlich auch etwas von mir haben möchte und es einfordert. Da kann ich nicht sagen „Seid still! Lasst mich in Ruhe“ Daher versuche ich auch, zwischen Arbeitsende und Heimkommen der Familie einen zeitlichen Puffer einzubauen, um runter zu kommen. Mal klappt es, mal nicht.

Wenn mir mal alles zu viel ist, gehe ich alleine, schnellen Schrittes, spazieren. Das tut mir unheimlich gut. Da bekomme ich den Kopf frei. Manchmal hilft es mir auch, laut Musik anzumachen und wild zu tanzen, manchmal alleine, manchmal gemeinsam mit der Quatschtröte (der Teenietochter ist das zu peinlich). 🙂 Ich rede auch mit meinen Kindern darüber, wenn es mir mal zu viel wird. Meine Grenzen versuche ich deutlich zu machen, genauso wie ihre. So lernen wir gegenseitigen Respekt vor unseren Grenzen.

Abends bin ich natürlich platt. Und wenn mein Mann kuscheln will kann es schon mal vorkommen, dass ich keine körperliche Nähe ertragen kann. Wie gesagt, ich habe alleine durch meinen Beruf ständig Kontakt, immer klebt jemand an mir, mein Kopf ist den ganzen Tag am Rotieren und manchmal tut es dann einfach gut, meinen Körper und meine Gedanken nur für mich zu haben. Insbesondere abends im Bett, die letzten Minuten vorm Schlafen, will ich nur für mich haben und mein Buch lesen. Das ist mir heilig und brauche ich auch, um gut schlafen zu können.

Insgesamt sind wir meistens alle entspannt. Es gibt natürlich solche und solche Tage. Aber seitdem ich zu einer innerlichen Gelassenheit gefunden habe und wir den Alltag an den Bedürfnissen und Eigenarten der Kinder angepasst haben, funktioniert es viel besser.
Ich führe meine To Do Listen auch nicht mehr im Kopf, denn dadurch bin ich früher immer wieder nachts aufgewacht. Jetzt schreibe ich alles auf und hake ab, setze Prioritäten. Dadurch ist es aus meinen Kopf raus. Das war für mich ein ganz wichtiger Schritt.
Manche Dinge kann ich eben nicht ändern und darüber möchte ich mich dann auch nicht aufregen. Oh früher, ja früher habe ich mich immer über alles und jeden aufgeregt. Im Laufe der Jahre habe ich einen Teil der Grundentspannung meines Mannes angenommen. Und durch all diese Faktoren leide ich an weniger Stress und bin glücklicher und zufriedener, als je zuvor. Auch wenn das keinesfalls bedeutet, dass hier alles Friede Freude Eierkuchen ist. Insbesondere den gelassenen Umgang mit pubertären Anfällen muss ich noch lernen. 😉 Es lässt sich nur viel besser damit umgehen.

Übrigens, falls es dich interessiert: Hier schreibe ich zum Thema Minimalismus, der mich auch sehr verändert hat.

Lieben Gruß,
Jani ❤

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogparade von Glücklich scheitern zum Thema Mental Load.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s