Minimalismus
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Meine Capsule Wardrobe – mehr Minimalismus im Kleiderschrank

Seit Monaten beschäftige ich mich mit meinem Kleiderschrank und habe nach und nach aussortiert. Das war ein langer und intensiver Prozess, sowohl aus emotionalen, als auch aus nachhaltigen Gründen. Jetzt aber habe ich meine Capsule Wardrobe zusammen. Plötzlich war der Moment da, in dem ich dachte „Jetzt habe ich alles passend zusammen, jetzt ist es okay.“
Mein Kleiderschrank ist etwa 1,50 m lang und ca. 2 m hoch. Mittlerweile passt meine ganze Kleidung an eine Kleiderstange. In den restlichen Fächern die jetzt frei sind, befindet sich in einem Fach Kleidung für die andere Jahreszeit, in einem anderen Unterwäsche und Socken. Der Rest ist frei! Früher waren sowohl die komplette Kleiderstange als auch die Fächer mit Kleidung voll. Alte Beiträge und Fotos findest du in diesen Beiträgen: Minimalismus – es geht in eine neue PhaseKleiderschrankausmisten die II. Wie viele Kleidungsstücke ich nach dem ganzen Aussortieren noch besitze? Die Auflösung erfolgt im Beitrag. 😉

Was ist eine Capsule Wardrobe?

Während meiner Auseinandersetzung mit meiner Kleidung, stoß ich immer wieder auf den Begriff Capsule Wardrobe. Bis vor einigen Wochen hatte ich noch keine Ahnung, was das bedeutet. Capsule Wardrobe kann man recht gut in „Minimalistische Garderobe“ übersetzen. Dabei geht es darum, in einer Saison nur eine gewisse Anzahl an Kleidungsstücken im Kleiderschrank zu haben, die perfekt auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt sind. Der Rest (wie bei mir jetzt die Kleidung für den Frühling und Sommer) kommt in Kisten verstaut (oder wie bei mir in freie Schrankfächer). Diese werden erst dann herausgeholt, wenn sie wieder getragen werden. Neue Kleidung wird nur bewusst gekauft und nur dann, wenn es wirklich notwendig ist.

 

Capsule_Wardrobe_minimalistischer_kleiderschrank

 

Es geht dabei nicht um eine bestimmte Anzahl an Kleidungsstücken. Auch gibt es keine festgelegten Regeln und kein Richtig und kein Falsch! Du sollst genau so viele und genau die Kleidungsstücke im Kleiderschrank haben, die du für dein Leben brauchst und die dich glücklich machen. Du alleine entscheidest, was du brauchst, um deine Bedürfnisse zu befriedigen. Was andere Menschen sagen, ist dabei vollkommen egal.
Um dahin zu kommen, musst du aussortieren. Und das ist – wie du auch auf meinem Blog sehen kannst – ein langer Prozess, das geht nicht von heute auf morgen.

Wie viele Kleidungsstücke sind es denn nun?

Ich habe einige verschiedene Angaben gesehen. Im Projekt 333 beispielsweise „darfst“ du 33 Teile pro Saison besitzen. Dazu zählen auch Jacken, Schmuck, Schuhe und Accessoires. Während andere 37 Teile, andere 40, manche sogar 50 und mehr für angemessen halten, sprechen sich wieder andere für 20 aus – pro Saison oder insgesamt. Manche zählen Schmuck hinzu, andere nicht. Wie du siehst, gibt es hier ganz verschiedene Ansichten. Du siehst auch hier, es gibt kein Richtig und kein Falsch. Als ein grober Richtwert gelten wohl aber 37 Teile pro Saison, also insgesamt ca. 148 Teile für das ganze Jahr. Egal wie deine persönliche Grenze aussieht (meine liegt beispielsweise viel niedriger), eine Grenze vor Augen zu haben kann sehr hilfreich sein, da man sonst gerne noch mal Kleidungsstücke behält und irgendwie dann doch nicht richtig aussortiert.

 

Minimalistischer_Kleiderschrank_Capsule_Wardrobe

 

Ich empfehle dir, deine Grenze nicht zu weit zu ziehen, was du zu deiner Kleidung zählst. Die Gefahr, nicht richtig auszusortieren und hier und da mal ein Auge zuzudrücken, ist groß.

Wenn du unsicher bist, mache drei Stapel: Behalten – kann weg – weiß ich noch nicht. Bei dem Stapel „Weiß ich noch nicht“ legst du die Kleidung hin, bei der du unsicher bist. Leg sie in eine Kiste und schau, ob du sie wirklich noch anrührst, vermisst und wirklich trägst. Nach einem Monat holst du sie wieder hervor und sortierst sie auch aus, wenn du die Kleidung nicht getragen hast.
Eine andere Möglichkeit ist auch, einen Kleiderhaken falsch herum im Schrank aufzuhängen. Wenn er nach einem Monat immer noch so häng, kommt die Kleidung weg.

Wie gesagt, aussortieren ist ein Prozess, lass dir Zeit und überfordere dich nicht.

Was gehört in eine Capsule Wardrobe?

Regulär zählt die Kleidung dazu, die du in der Öffentlichkeit trägst.

  • Oberteile
  • Hosen
  • Kleider und Röcke
  • Jacken
  • Schuhe

Nicht dazu gezählt werden meistens

  • Unterwäsche
  • Schmuck & Assessoires
  • Sportbekleidung
  • Badebekleidung
  • Schlafanzüge
  • Taschen

Aber hier gibt es, wie bereits mehrfach erwähnt, keine allgemeine Regel. Du alleine entscheidest, was für dich richtig ist. Die Angaben hier sollen dir nur einen Anhaltspunkt liefern.

Was ist das Tolle an einer Capsule Wardrobe?

Für mich hat ein minimaistischer Kleiderschrank nur Vorteile. Während ich früher immer wieder vor meinem überquellenden Kleiderschrank stand und nicht wusste, was ich anziehen sollte, fällt mir das heute viel leichter. Ich nehme einfach irgendwas aus dem Schrank. Da mein Kleiderschrank nur noch aus meinen Lieblingskleidungsstücken besteht, passt alles immer zusammen und ist aufeinander abgestimmt. Ich habe meinen eigenen Stil gefunden, meine Outfits ergänzen sich toll und ich freue mich immer auf jedes Kleidungsstück.

Ich habe ein Gefühl für meinen eigenen Stil bekommen und weiß nun sicher, dass ich nicht experimentieren brauche. Es läuft bei mir immer alles auf den gleichen Kleidungsstil hinaus. Früher war mein Kleiderschrank bunt (und dabei trug ich immer nur das Gleiche, die bunten Sachen lagen nur rum), voll und durcheinandergewürfelt. Heute ist er schlicht und farblich angepasst.

Da ich kein Geld mehr für Kleidung zwischendurch ausgebe, spare ich daran viel Geld. Derzeit läuft noch unsere 26-Wochen-Challenge, aber auch danach werde ich mir nicht wahllos Kleidung kaufen. Ich werde mir nur Kleidung kaufen, wenn ein Kleidungsstück aufgetragen oder nicht mehr zu reparieren ist. Es kommt mir kein zusätzliches Kleidungsstück mehr in den Kleiderschrank. Darauf solltest du auch achten, da du sonst irgendwann wieder vor dem Problem eines überquellenden Kleiderschrankes stehst. Zudem werde ich nur noch Fair Trade oder Second Hand kaufen.

Wie geht es los?

Zu allererst musst du aussortieren. Dabei solltest du dir bei jedem Kleidungsstück folgende Fragen stellen:

Minimalistischer_Kleiderschrank_Capsule_Wardrobe-Aussortieren

Nimm dir Zeit. Das kann ein Wochenende sein oder immer wieder Zeit zwischendurch. Sortiere zu dieser Zeit bewusst aus. Wenn du unsicher bist kannst du, wie oben beschrieben, drei Stapel machen und dich dann nach einem Monat endgültig von bestimmten Teilen trennen.

Bei mir war es so, dass ich nach und nach aussortierte. Es war ein monatelanger Prozess, der nicht von jetzt auf gleich funktionierte. Bei manchen Dingen war mir gar nicht sofort klar, dass sie nicht zu meinem Stil passten oder ich sie gar nicht mehr trug. Das brauchte alles seine Zeit. Immer wieder kamen neue Kleidungsstücke zum Vorschein, die ich vorher übersah. Auch der genannte emotionale Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Manchmal hängt eine Geschichte an einem Kleidungsstück (auch wenn man es nicht trägt) oder es war teuer (so wie meine Chucks), so dass das Trennen schwerer fällt. Ich habe mir tatsächlich auch einen „Weiß ich noch nicht“ Stapel gemacht. Wenn mir das Trennen schwer fiel, habe ich die Sachen mit dem Vorsatz zur Seite gelegt, dass ich sie aussortiere, wenn ich sie einen Monat lang nicht getragen und vermisst habe. Am Ende sind davon aber alle Sachen aussortiert worden. Ich habe sie tatsächlich weder vermisst noch getragen. Das war eher etwas Emotionales. Das wird übrigens (wahrscheinlich) auch auf dich hinzukommen. Ausmisten und vor allem endgültiges Trennen kann manchmal ganz schön emotional und schwer sein.

Mache eine Bestandsaufnahme

Anschließend machst du eine Bestandsaufnahme. Was hängt jetzt eigentlich noch im Kleiderschrank? Wenn es dir hilft, kannst du alle Kleidungsstücke inklusive Farbe und Anzahl aufschreiben und siehst dann, wie viele Kleidungsstücke du wovon noch besitzt. So findest du auch deinen persönlichen Stil, der für die Capsule Wardrobe wichtig ist.

Ich habe es so gemacht, dass ich mich nur auf meine vorhandenen Kleidungsstücke beschränkte. Es gibt aber auch Anhänger der Capsule Wardrobe, die sich noch fehlende Kleidungsstücke dazu kaufen, um eine passende Garderobe zu bekommen und/oder sie zu verfeinern. Sollte das bei dir auch der Fall sein – denk dran, es gibt kein Richtig und kein Falsch – schau doch mal nach Second Hand oder Fair Trade Kleidung! Das ist nachhaltiger, als bei großen Marken zu kaufen. Da möchte ich dir übrigens diesen Beitrag ans Herz legen: Dokumentation über die sozialen und umweltbezogenen Auswirkungen der Kleidungsherstellung: The True Cost

Tatsächlich habe ich mir Anfang Dezember vier neue Teile Second Hand gekauft. Das war aus einem Gefühl heraus. Soll ich dir mal was verraten? Ich trage sie gar nicht und sie sind schon wieder aussortiert. 😦 Da bin ich noch einmal in ein altes Verhaltensmuster gerutscht. Seitdem funktioniert es aber. Mittlerweile habe ich kein Verlangen mehr danach, Kleidung zu kaufen. Und wenn, dann habe ich Ansprüche entwickelt: Sie soll aus Baumwolle sein, andere künstliche Stoffe wie beispielsweise Polyester kommen mir nicht mehr auf die Haut.

Meine Regeln für meine persönliche Capsule Wardrobe

Wie ich betonte, stellt jeder seine eigenen Regeln auf. Die sind aber wichtig, damit du nicht völlig verloren und hilflos vor deinem Kleidungsberg stehst. Meine persönlichen Regeln sind:

  • Ich möchte nicht mehr als insgesamt 60 Kleidungsstücke besitzen
  • Schals, Mützen und Handschuhe zählen mit in meine Capsule Wardrobe.
  • Sportkleidung, Schlafssachen, Schwimmsachen, Unterwäsche und Socken werden nicht mit einberechnet.
  • Farblich soll meine Capsule Wardrobe schlicht gehalten sein.
  • Schmuck zählt nicht mit rein, da möchte ich mich aber auf 5 Dinge beschränken und nichts erweitern: zwei Ringe, eine Armbanduhr, ein Armband, ein Paar Ohrringe
  • Taschen zählen ebenfalls nicht mit rein. Da beschränke ich mich für den Winter auf einen Rücksack, den ich auch als Handtasche tragen kann und für die warme Jahreszeit auf einen Beutel. Diese beiden Taschen nutze ich für die Arbeit, Uni und auch privat. Ebenso habe ich eine kleine Umhängetasche für alle Fälle. Es wird nichts Neues hinzugekauft.

 

Minimalistischer_Kleiderschrank_Capsule_Wardrobe-Anleitung

 

Ehrlich gesagt, kann ich meine Kleidung gar nicht richtig nach Saison trennen. Na klar, die Tops und kurzen Hosen schon. Aber vieles trage ich einfach auch das ganze Jahr durch. Im Winter stehe ich vor allem auf den Zwiebellook, so brauche ich nicht extra dicke Pullis, die ich sowieso nicht trage.

Aktualisierung November 2019: Ich habe im Laufe des Jahres weiter aussortiert und meine Capsule Wardrobe verändert.

Ganzjährig

  • 1 Jeansjacke
  • 1 Blazer
  • 2 lange Cardigans
  • 2 1 kurze Strickjacken
  • 1 Jeanshemd
  • 2 1 schwarze Kleider
  • 9 T-Shirts
  • 2 1 Leggings
  • 1 Jacke

15 Teile

Herbst & Winter

  • 2 4 langärmlige Basics zum Drunterziehen
  • 2 langgeschnittene Tops zum Drunterziehen
  • 1 dünneren Pulli
  • 2 Jeanshosen
  • 1 Regenjacke
  • 1 Paar Schuhe für den Herbst
  • 1 Paar Schuhe für den Winter
  • 2 Schals
  • 1 Mütze
  • 1 Stirnband
  • 1 Paar Handschuhe

15 Teile

Frühling & Sommer

  • 1 3/4 Leggings
  • 1 Chinohose
  • 1 7/8 Jeans
  • 1 Jumpsuit
  • 5 Tops
  • 2 3/4 Stoffhosen
  • 3 kurze Hosen
  • 1 Paar Turnschuhe
  • 1 Paar Sneaker
  • 1 Paar Toms
  • 1 Paar Sandalen
  • 1 Paar Leinenschuhe
  • 1 Paar elegante Pumps für besondere Anlässe

17 Teile

59 47 Kleidungsstücke habe ich also insgesamt für das ganze Jahr! Mir kommt das immer noch so viel vor. Komisch, oder? Hinzu kommen noch Unterwäsche, Socken, ein Bikini, Schlafsachen und eine Jogginghose.

Beim Schmuck ist es tatsächlich so, dass ich mich auf meine fünf Dinge beschränke: zwei Ringe, ein Paar Ohrringe, eine Armbanduhr, ein Armband. Auch hier sind die Farben farblich aufeinander abgestimmt. Hinzu kommen die genannten drei Taschen. Der Rest wurde aussortiert.

Meine Kleidung ist – bis auf eine gestreifte Stickjacke und einem gelben Shirt – sehr schlicht gehalten. Alles ist miteinander kombinierbar. Auch der Schmuck und die Taschen sind farblich abgestimmt.
Für schickere Anlässe habe ich einen Blazer und für festliche ein schönes schwarzes Kleid, das zeitlos ist und jederzeit getragen werden kann. Mit unterschiedlichen Jacken und Schuhen kombiniert, setzt dies immer ein anderes Statement.

Kein Bügeln und Falten mehr

Ein weiterer großer Vorteil ist: Ich brauche meine Kleidung weder bügeln, noch falten. Dadurch, dass sie jetzt alle an einer Kleiderstange hängen, kann ich sie ganz einfach einräumen. Genial, oder?

Ich bin sehr glücklich mit meinem Weg und meinem jetzigen Kleiderschrank. Es ist so befreiend, einfach hineingreifen zu können und immer etwas Passendes tragen zu können. Außerdem freue ich mich auf jedes Teil, weil es nur noch meine Lieblingsteile sind. Ich hoffe, meine Gedanken helfen dir ein wenig weiter, Minimalismus in deinen Kleiderschrank zu bringen.

Es hat viel Spaß und mich auch ziemlich stolz gemacht. Probierst du es auch aus?

Lieben Gruß,
Jani ❤

1 Kommentar

  1. Glückwunsch. Ich möchte auch noch dahin wo du gerade angekommen bist. Ich bin mitten im Prozess. Ich hab im Sommer einmal gründlich ausgemistet. Und stelle jetzt nach und nach fest, was ich doch nicht trage. Auch mag ich fast alle meine T-Shirts nicht mehr. Aber so lange kein adäquater Ersatz da ist, bleiben sie. Irgendwas muss ich ja anziehen.
    Liebe Grüße
    Jenny

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