Familienalltag, Minimalismus
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Mental Load: Und dann war da noch ich – Für mehr Selbstfürsorge und Auszeiten als Mutter

Seit Januar spielt das Thema Minimalismus eine große Rolle bei uns. Während wir uns erst mit Minimalismus in Bezug auf Gegenstände intensiv beschäftigten, ging es rüber zum Minimalismus im persönlichen Leben. Neben der ganzen Entschlackung für uns als Eltern, Paar und Familie (lies dazu gerne die Beiträge Eltern sein, Paar bleiben: Warum gemeinsame Auszeiten so wichtig für die Beziehung sind und Wie der Minimalismus uns verändert: viele Entscheidungen für ein ruhigeres Leben) dachte ich auch immer mehr über mich nach…
Und ab jetzt Vorsicht, das wird ein sehr persönlicher Blogbeitrag. ❤ 😉

Freddy machte Anfang Mai ein Foto von mir. Als ich mir das anschaute sah ich, wie schlimm meine Körperhaltung war. Richtig rund, gar nicht gerade. Das war ein Schock! Und als mir dann ein Tag später mein Arzt sagte, dass mein ganzer Rücken inkl. Nacken so sehr verspannt ist, dass sich meine Wirbelsäule dadurch verbiegt, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich sorge nicht richtig für mich. Meine starken Rückenschmerzen und meine immer mal wiederkehrende Gereiztheit haben einen Grund, das wurde mir schlagartig klar.

Auch wenn mit dieser weiteren Bewusstwerdung viele Gefühle und Veränderungen einhergingen, so war es doch ein Glücksfall und genau richtig. Ich war bislang die Meisterin im Mental Load – dachte ich: So schrieb ich schon in meinem Beitrag Mental Load: Wer oder was bin ich eigentlich?, dass ich die Verantwortliche für alles bin, auch wenn mein Mann viel im Haushalt übernimmt. Aber ich muss jeden an alles erinnern. Ich bin die, die das Ruder in der Hand hat. Ich arbeite in meinem Hauptjob, habe einen Nebenjob, studiere im Master, organisiere den Haushalt gemeinsam mit meinem Mann und manage nebenbei das Leben meiner Kinder, teilweise auch das meines Mannes und mein Leben. Irgendwie ging das alles immer und ich war davon überzeugt, dass ich das schon alles recht entspannt mit links wuppe. So war es sicher auch, aber als ich mehr und mehr entschleunigte, kam der verborgene Dauerstress zum Vorschein.

Mein Mann und ich haben uns schon vor einiger Zeit medienfreie Abende eingerichtet und am Wochenende können wir auch nichts tun. Wir können dabei richtig gut entspannen und genießen. Das ist wunderbar. Aber ich lenkte den Blick dennoch nicht auf mich, sondern immer auf uns als Eltern, uns als Paar, uns als Familie.

Kopf durch Verantwortungen im Dauerbetrieb

Als ich aber den Blick auf mich richtete, wurde mir klar: All die Jahre habe ich darauf geachtet, immer etwas zu tun. Ich fühlte mich für alles (!) verantwortlich. Meinen Körper habe ich stark vernachlässig. Immer dann, wenn ich Freiraum hatte, habe ich gedacht „Ach, das kann ich auch noch mal eben schnell machen!“ und schwups, waren oft wieder viele Stunden weg. Oft habe ich gar nicht zu Mittag gegessen, das Essen vernachlässigt oder mal eben zwischendurch, während ich am PC saß und arbeitete, nebenbei gegessen. Das ist nicht gut und war mir bis vor ein paar Wochen gar nicht so richtig bewusst gewesen. Mein Kopf aber war den ganzen Tag in Aktion. Ich dachte ständig nach und kam einfach nicht zur Ruhe. Und es gab immer Dinge, an die gedacht werden oder die erledigt werden mussten. Familienleben halt.

Allerdings gab es hier schon vor einiger Zeit eine Veränderung: Am Wochenende entspanne ich. Das Wochenende ist uns allen heilig. Ich (und alle anderen Familienmitglieder eingeschlossen) mache kaum was und genieße die Zeit mit meiner Familie. Nur unter der Woche gelang es mir in Sachen Verantwortungsabgabe noch nicht.

So konnte das nicht weitergehen

Da ich das so unter der Woche nicht mehr wollte, setzte ich mich hin und machte einen Wochenplan: Ich schrieb auf, wo ich wirklich Verpflichtungen und wo ich theoretisch Freizeit habe. Zudem hielt ich Zeiten fest, an denen ich an meiner Masterarbeit arbeite. Ich baute feste Zeiten zum Mittagessen ein und nahm mir vor, in dieser Zeit nichts zu tun, sondern nur das Essen zu genießen. Meinen Arbeitsalltag strukturierte ich um und entschleunigte auch diesen. Auch feste Zeiten, in denen ich nichts für die Arbeit oder Masterarbeit tue, wurden eingeplant. In diesen Zeiten habe ich Zeit für mich. Die kann ich zum Lesen, Spazierengehen oder auch mal zum Bloggen nutzen. Alles mit dem Ziel, dass das „Ich kann ja nochmal eben…“ weniger Chancen in meinem Leben hat.

Ich überlegte, wie ich meinem Körper und Geist etwas Gutes tun kann. Ich entschied mich für Yoga. Erst hatte ich die Idee, das zu Hause zu machen. Das ist aber aus mehreren Gründen eine blöde Idee: Zunächst höre ich im Haus alle Geräusche, so dass ich nicht wirklich abschalten kann. Dann bin ich einfach zu Hause und bekomme grundsätzlich nicht den nötigen Abstand. Und ich kann es ganz leicht immer schieben, wenn ich mal keine Lust habe – und das kann durchaus häufiger passieren, insbesondere dann, wenn ich merke, dass ich das nicht so gut kann. 😉

Tränen im Yogakurs

Also entschied ich mich, zum Yogakurs zu gehen. Mein Gott, das ist richtig gut anstrengend! Aber die erste Stunde war für mich von Tränen geprägt. Ich merkte,  wie untrainiert mein Körper ist und wie viel Arbeit da vor mir liegt. Das war aber nicht das große Problem. In der anschließenden Entspannungsphase kam die Yogalehrerin zu mir und deckte mich zu (ich war die Einzige, die zugedeckt wurde). Sie spürte wohl meine Anspannung. Dann drückte sie meine Schultern nach unten, da sie vor Anspannung fast unter den Ohren saßen. Dann berührte sie meine Stirn und ich spürte meine Tränen hochkommen. Auch wenn ich das jetzt schreibe, spüre ich die emotionale Welle, die in mir hochkam. Es war jemand da, der mich zur Ruhe brachte. Ich recherchierte danach etwas im Netz, warum ich nach dem Yoga anfing zu weinen. Und es ist wohl so, dass ich an die tiefen, verborgenen Gefühle herangekommen bin, die ich immer unterdrückte. Und das sie sich lösten, war sehr gut!

Ich habe mich noch nie um mich gekümmert

Mir wurde so deutlich vor Augen geführt, dass ich mich noch nie wirklich um mich gekümmert habe. Und das war für den Veränderungsprozess genau richtig! Ich habe immer für andere gemacht und getan und falsche (ungesunde) Glaubenssätze verinnerlicht. Ich bin ein verantwortungsbewusster Mensch und nehme meine Verantwortungen sehr ernst. Aber man kann es halt auch übertreiben, wie ich feststellte. 😉 Ich habe mir keine wirklichen Auszeiten (halbstündige alleinige Spaziergänge ausgenommen) für mich genommen. Diese Erkenntnis tat mir weh. Ich habe die Zeit betrauert, in der ich mich nicht um mich kümmerte.

Wir führen ein tolles und glückliches Leben. Es ist wundervoll. Ich habe den besten Ehemann, die allertollsten Kinder, einen wunderbaren Beruf, einen tollen Arbeitgeber, wir haben keine finanziellen Sorgen und führen ein tolles, glückliches und zufriedenes Leben, in dem wir uns viel ermöglichen können. Es geht mir in der  Bewusstwerdung alleine um mich: Darum, dass ich mich immer um alle anderen, aber nie um mich selbst gekümmert habe und ich die Verantwortung für mich trage. Freddy hat schon länger gesagt, dass ich mehr für mich tun soll, aber das wollte ich nicht hören.

Veränderungen kosten Kraft, tun aber gut

Ich merke, wie anstrengend Veränderungen sind. Es kommen viele Emotionen hoch. Für die Veränderungen muss ich mich manchmal anhalten, sie auch wirklich durchzuziehen und mich auch erinnern, aber das klappt immer besser. Eben weil ich es verändern möchte.

Ich kann auch immer besser Nein sagen und zu meinen Bedürfnissen und Wünschen stehen und dafür einstehen. Und weißt du was? Es ist gar nicht schlimm, es ist auch niemand böse und passiert ist auch nichts. Warum habe ich das nicht schon früher gemacht? Ich bin jetzt auch in diesem Bereich wesentlich entspannter, als zuvor.

Auch fiel es mir zunächst schwer, Verantwortungen im privaten Bereich abzugeben. Aber ich muss sie gar nicht immer tragen. Ich habe einen kompetenten und fähigen Partner, der das auch gut – wenn auch anders als ich – auf die Reihe bekommt und gerne macht. Ich muss nur abgeben wollen. Zudem muss ich mir die Zeit für mich aktiv nehmen. Wir haben intensiv darüber gesprochen. Es sind so Kleinigkeiten wie die Kinder an etwas zu erinnern. Ich wünschte mir, dass ich nicht immer daran denken muss, sondern auch er. Und dass er dann mal am Ball bleibt und auch die Diskussionen und Streitereien mit den Kindern austrägt, nicht immer nur ich. Anfangs war es schwer, mich da auch rauszuhalten. Aber ehrlich gesagt, er macht das toll und die Kinder kommen damit auch super zurecht. ❤

Seit etwa fünf Wochen gehe ich regelmäßig zum Yoga. Mittlerweile freue ich mich immer auf meine Auszeit. Es ist einfach nur toll! Yoga ist super anstrengend, aber ich merke, wie gut es meinem Körper tut. Ich spüre meinen Körper an Stellen, an denen ich nicht mal dachte, das ich da Muskeln habe *lach* Es ist einfach nur richtig gut. Gleichzeitig bekomme ich meinen Kopf freier und komme zur Ruhe. Das war eine sehr gute Entscheidung.
Ich nehme mir jetzt zwei bis drei Mal die Woche (je nachdem wie stark ich meinen Körper spüre 😉 ) Zeit, um zum Yoga zu gehen und auch Zeit, mich mit meiner beste Freundin im Café zu treffen.

In dieser Zeit habe ich keine Verpflichtungen und Verantwortungen. Diese trägt dann Freddy. Ich bin da einfach nur Jani und kümmere mich nur um mich. Und das ist ein so wunderschönes, erfüllendes Gefühl.  ❤ Und meine Rückenschmerzen sind übrigens auch fast weg 😉.

Lieben Gruß,
Jani ❤

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