Minimalismus
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Digitaler Minimalismus im Familienleben

Kennst du das? Bevor Langeweile auftreten kann, greifst du zum Handy. Der Bus kommt zu spät, da zückst du schnell dein Handy und überbrückst damit die Zeit. Zu Hause hast du mal nichts zu tun? Du zückst wieder das Handy. Noch einmal eben schnell die Mails checken oder schauen, was es auf Instagram und/oder Facebook neues gibt. Du nimmst am Leben anderer teil, likst Fotos von fremden Familien, tauchst ab in deren Leben. Bloß keinen Leerlauf oder gar Langeweile zulassen. Ständig erreichbar sein. Bloß nichts verpassen.

Das kennt jeder irgendwie, oder? Aber ist es wirklich gut und das was wir wollen? Der ganze Medienkonsum verleitet dazu, den Fokus auf das eigene Leben zu verlieren. Ständig lassen wir uns berieseln und keine Ruhe aufkommen. Das führt auch unweigerlich dazu, dass wir ständig unter Strom stehen und eine innerliche Daueranspannung in uns herrscht: „Das Handy vibriert! Oh, eine Nachricht, mal eben schnell schauen.“ Und schwups, liegt der Fokus wieder auf dem Handy, mal kurz, mal länger.
Aber auch der Fernseher läuft bei vielen Menschen täglich und das über viele Stunden. Was da für eine Lebenszeit flöten geht, ist enorm. Wenn der Fernseher täglich 3,5 Stunden angeschaltet ist, sind das pro Woche ein Tag, der nur fürs Fernsehgucken draufgeht. Und viele schauen nicht mal richtig fern, sondern zappen von einem Kanal zum nächsten.

Und dabei sagen wir uns dann immer wieder, dass wir doch alle keine Zeit haben. Das stimmt aber nicht. Wir haben alle Zeit, wir nutzen sie oft nur falsch und setzen falsche Prioritäten. Aber dazu wird es noch mal einen extra Beitrag geben. 😉

Versteh uns nicht falsch, wir verteufeln Handy und Fernsehen nicht. Uns ist nur bewusst geworden, wie viel (unnütze) Zeit wir Menschen vorm Handy und Fernseher verbringen. Und das ist für uns verschenkte Lebenszeit. Handy und Fernseher sind und bleiben einfach enorme Zeitfresser. Und gerade wenn dann noch Kinder mit im Spiel sind, empfinden wir das ganze als noch tragischer: Wie oft sehen wir Eltern mit Handys in der Hand, während die Kinder neben ihnen sitzen oder spielen. Achte da mal selber drauf. Uns hat es sehr erschrocken, als es uns bewusst wurde.
Vor allem sind wir Eltern Vorbilder. Die Kinder nehmen den Umgang mit dem Handy und Fernseher als normal auf und internalisieren ihn. Natürlich fordern sie (spätestens) als Jugendliche die gleichen Rechte in Sachen Medienkonsum ein, wie sie es von den Eltern vorgelebt bekommen. Das da Streit vorprogrammiert ist, weil Eltern ihren Kindern verbieten am Handy zu sitzen, aber selber ständig dran sind, ist da nur all zu verständlich. Da kann man am besten präventiv ansetzen und die Medien selber nur wenig im Beisein der Kinder nutzen. Wir sollten alle dem Handy nicht so einen großen Stellenwert geben.
Das gleiche lässt sich aber auch in Paarbeziehungen oder Freundschaften beobachten. Achte da mal drauf, egal ob in deiner Beziehung oder Freundschaft oder bei anderen, wie oft jemand sein Handy in die Hand nimmt. 😉

Selbstbeobachtung

In den letzten Wochen haben wir uns viel Gedanken über unseren Medienkonsum gemacht und unser Verhalten beobachtet. Vielleicht hast du das auch auf unserem Insta-Kanal mitbekommen? Es entstand die Idee, das lange Fronleichennamswochenende zu nutzen und eine digitale Auszeit zu nehmen. Unsere Quatschtröte hat ebenso mitgemacht. Da sie kein Handy hat, lag ihre eigene Veränderung auf ihrem Fernsehkonsum. Der Fernseher blieb an den vier Tagen also komplett aus, die Handys wurden nur abends bewusst kurz genutzt, wenn die Quatschtröte im Bett war. Das möchten wir dir auf jeden Fall empfehlen, es selbst auszuprobieren. Nehme dir einen gewissen Zeitraum vor, in dem du deine medienbezogenen Tätigkeiten beobachtest und nehme dann für einen festgelegten Zeitraum eine Auszeit.

Uns tat es gut. So richtig gut. ❤ Wir waren nicht ständig erreichbar – und haben auch nichts verpasst. Wir haben ein sehr entspanntes Wochenende erlebt, in der wir viel innige und intensive Familienzeit genossen haben. Selbst unsere Quatschtröte hat am Experiment teilgenommen und fand es sehr gut. Sie möchte, genau wie wir, dass wir die Veränderungen beibehalten.

Tipps für einen bewussteren Umgang mit den digitalen Medien

Wir haben an dieser Stelle daher für dich ein paar Tipps im Umgang mit Handy und Fernseher zusammengestellt. Vielleicht setzt du davon ja auch schon den einen oder anderen Tipp um?

  • Nehme dein Handy nicht mit ins Schlafzimmer. Lass es in der Küche oder im Wohnzimmer. Wenn du dich über dein Handy wecken lässt, schaffe dir einen Wecker an, der die Aufgabe übernimmt. Das Schlafzimmer bleibt handyfreie Zone.
  • Lass dein Handy tagsüber liegen. Leg dein Handy in die Küche oder in die Schublade und lass es dort, wenn die Familie beisammen ist. Nutze es nur, wenn du es benötigst. So kannst du den Alltag mit deiner Familie mehr genießen.
  • Rufe häufiger an, anstatt Messenger zu nutzen. Geht schneller und du hast dein Handy nicht so lange in der Hand.
  • Daddel und surfe nicht am Handy, wenn dein Kind dabei ist: Nehme dir bewusst abends Zeit für deine Medien und fokussiere dich tagsüber auf dein Leben, auf deine Familie, auf deinen Partner und auf dein Kind. Verbringe Zeit mit ihnen und lasse dich nicht von den Medien ablenken.
  • Lasse den Fernseher so viel wie möglich aus und schaue bewusst fern. Wenn du Fernsehgucken willst, dann schaue bewusst. Suche dir im Vorfeld eine Serie, eine Doku, Nachrichten, einen Film aus, den du schauen willst und zappe nicht durchs Programm. Lass den Fernseher nicht als Hintergrundgeräusch laufen.
  • Schmeisse Apps von deinem Handy. Lösche jede App, die du nicht oder nur selten nutzt. Behalte das, was dir wirklich Freude machst oder du wirklich brauchst. Musst du E-Mails vom Handy aus checken? Brauchst du Facebook zwingend auf deinem Handy?
  • Stelle alle Benachrichtigungen aus. Wenn du jegliche Benachrichtigen deiner Messenger ausstellst, stehst du nicht ständig unter Strom, nochmal eben beim Eintreffen einer Nachricht drauf schauen zu müssen. Beantworte deine Nachrichten gebündelt zu einer bestimmten Zeit am Tag. Das entspannt und nimmt innerlichen Druck und Schnelligkeit aus dem Alltag.
  • Richte bewusste Zeiten ein. Beantworte Nachrichten oder Mails zu einer bestimmten Zeit, wenn dein Kind im Bett oder nicht zu Hause ist. Nutze diese Zeit auch gerne für Facebook oder Instagram. So konsumierst du diese Apps bewusst und nicht mal eben zwischendurch.

Kennst du eigentlich schon die App Franz? Mit ihr kannst du all deine Nachrichten gebündelt beantworten! Super genial!

Das Leben genießen!

Wenn du deinen Medienkonsum verringerst, sparst du Zeit, Geld und Ressourcen. Wir können uns vorstellen, dass diese Tipps zu einer Veränderung im Alltag, im Umgang miteinander und in den Routinen führen. Vielleicht tritt auch ein kleiner Entzug auf, wer weiß?! Aber diese Veränderungen lohnen sich. 🙂 Du bekommst dafür mehr Ruhe, innerliche Ausgeglichenheit und Erinnerungen mit deiner Familie oder Freunden.

Du hast Zeit zu lesen, Sport zu treiben, spazieren zu gehen, aktiv (und nicht über Messenger) zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen, Hobbys nachzugehen, ins Kino zu gehen, Projekte umzusetzen, Cafés zu besuchen….. Die Liste lässt sich noch viel weiter spinnen! Du gewinnst mehr Lebenszeit und wirst aktiver und gewinnst mehr Motivation. Du hast mehr Möglichkeiten und Zeit, Erinnerungen zu schaffen. Und woran erinnert man sich, wenn man alt ist? An die Zeit am Handy oder an Aktivitäten und menschlichen Beziehungen?

Wichtig dabei ist, dass du den eingeschränkten Medienkonsum nicht auf andere Medien verlagerst (von TV auf Handy, von Handy auf TV oder gar Konsolen oder Laptops mit ins Spiel bringen).

Wenn du deinen Medienkonsum veränderst, sei dabei nicht zu streng mit dir selbst. Veränderungen brauchen Zeit. ❤ Hab Geduld mit dir, du musst es nur wollen, dann klappt es auch. Ganz sicher!

Lieben Gruß,
Jani & Freddy

 

 

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: Minimalismus

von

Jani. | Mutter. Ehefrau. Arbeitnehmerin. Studentin. Schöne Dinge- und Natur Liebhaberin. Entdeckerin. Tüftlerin. Denkerin. Kleine Weltverbesserin. Optimistin.

1 Kommentar

  1. Wir leben bereits seit über 4 Jahren ohne Fernseher – und leben immernoch 😀
    Dafür, muss ich leider gestehen, bin ich doch ein totaler Handysuchti… eben das nochmal googlen, eben etwas in NotePad notieren, eben noch mal auf Instagram schauen… Ohje, da würde ein Entzug wohl mal gut tuen – wenn ich denn ohne könnte xD

    Allerdings ist es mir auch schon aufgefallen, dass bei vielen persönlichen Treffen immer mindestens einer ein Handy in der Hand hat. Und fängt einer an, ziehen andere mit… Das ist traurig. Ich sage dann schon immer etwas, und die meisten packen es dann auch weg. Doch man muss erst darauf hingewiesen werden :/

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